Vinaora Nivo Slider

Große Freude auf der einen,  Frust auf der anderen Seite
Mit 87,85 Prozent wird Guido Willems mit dem deutlichsten Ergebnis im Kreis zum Bürgermeister von Gangelt gewählt. SPD weiter im Abwärtstrend.

VON SIMONE THELEN

Gangelt Die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Gangelt waren nervös. Nicht, weil sie so gespannt auf das Ergebnis der Wahl gewartet haben, sondern deshalb, weil sie auf jeden Fall einen neuen Verwaltungschef bekommen werden. Darum ist die Nervosität auch nach diesem Wahlabend noch nicht ganz vorbei. Der CDU-Kandidat Guido Willems, hätte in Anbetracht seines Wahlergebnisses von 87,85 Prozent aller Stimmen gar nicht nervös sein müssen, er ist der am deutlichsten gewählte Bürgermeister im Kreis. Seine Erfahrung als Büroleiter von Landrat Stephan Pusch, sein engagierter Tür-zu-Tür-Wahlkampf und die Tatsache, dass er Gangelter mit Leib und Seele ist, haben ihm sicherlich viele Türen geöffnet.

Entsprechend gut war dann auch die Stimmung in den Kreisen der CDU-Vertreter, die sich am Sonntagabend zur Verkündung der Wahlergebnisse zunächst bei strahlendem Sonnenschein vor dem Gangelter Mercator-Hotel, dann grüppchenweise im Foyer des Rathauses eingefunden hatten. Dort war die Teilnehmerzahl auf 75 begrenzt. Dem bisherigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Karl-Heinz Milthaler hatten die ersten drei Wahlen - Landrat, Kreistag und Bürgermeister - eher keine Sorgen gemacht. Gedrückt wurde die Stimmung zunächst allenfalls durch die bei dieser Kommunalwahl erstmals in Gangelt antretende „Die Partei“.

Wahlbeteiligung bei 58,16 Prozent

Milthaler, bevor die ersten Ergebnisse eintrudelten: „Uns wird aus dieser Richtung ein hohes Alter vorgeworfen. Dabei sind wir mitten in einem Verjüngungsprozess. Aber ich befürchte, dass uns „Die Partei“ schon zwei Sitze im Rat kosten wird.“ Dass es genau umgekehrt sein und die CDU sogar noch zwei Sitze im Gemeinderat dazu gewinnen würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Die Stimmung hellte sich dann jedoch im Laufe des Abends sichtbar auf. Die CDU erzielte mit 63,37 Prozent der Stimmen ein Plus von 5,57 Prozent.

Die Vertreter der anderen politischen Richtungen in Gangelt, auch der SPD, die mit Christian Otto als einzige Partei einen Gegenkandidaten zu Guido Willems aufgestellt hatte, wirkten am Wahlabend gelassen realistisch. Zwar hatte sich Christian Otto im Vorfeld der Wahl schon Chancen auf einen Sieg ausgerechnet (Otto bei Vorstellung: „Wenn man es nicht wagt, weiß man nie, ob es nicht doch hätte klappen können“), aber auch ihm und seinen Parteikollegen musste in den vergangenen Wochen klar geworden sein, dass Guido Willems einen dicken Vorsprung in der Wählergunst haben würde. Die finalen 12,15 Prozent der Stimmen für Christian Otto und erst recht die schlechten 12,93 Prozent für die SPD bei der Gemeinderatswahl gaben dann aber alles andere als einen Anlass zur Freude. Die Wahlbeteiligung in der Gemeinde Gangelt lag bei 58,16 Prozent.

Guido Willems hatte am Wahlabend die Familie inklusive seiner Frau und den drei Kindern an seiner Seite. Deren Gratulationen und herzliche Umarmungen dürften wohl noch schwerer gewogen haben, als die aller anderer. „Bei einem solchen Ergebnis kann man nur glücklich sein. Mein Gefühl war ohnehin positiv, aber das ist jetzt ein echter Vertrauensvorschuss der Wählerinnen und Wähler.“ Natürlich sei es auch eine gewisse Bürde, nun die großen Erwartungen, die an ihn gestellt werden, zu erfüllen. „Aber ich freue mich auf die Aufgabe. Und die Arbeit beginnt ja jetzt erst so richtig.“

So groß wie die Freude bei der CDU, so groß war schließlich die Enttäuschung des SPD-Kandidaten Christian Otto. „Wir haben geschafft, was wir auch in den letzten Jahren geschafft haben: Wir sind weiter nach unten gerutscht.“ Damit, sich gegen Guido Willems als Bürgermeister zu behaupten, habe er tatsächlich nicht mehr gerechnet. Aber das so schlechte Abschneiden der SPD bei der Gemeinderatswahl wiege nun deutlich schwerer. Was die kommende Amtszeit von Guido Willems angeht, konnte Otto deshalb nur sagen, dass er ja genug Rückhalt im Rat habe, damit die CDU machen könne, was sie wolle. „Der Rest sitzt dann da und hört zu. Was soll ich da sonst noch sagen?“

Noch bis zum 31. Oktober ist Bernhard Tholen Bürgermeister in Gangelt. Eine erste Last ist ihm aber schon am Wahlabend von den Schultern gefallen: „Dieser Abend ist wunderbar gelaufen. Ich weiß, dass Guido Willems ein fähiger Mann und für Gangelt ein echter Glücksgriff ist. Ich wünsche ihm, dass er alles schafft, was er sich vorgenommen hat, und ich lege die Stadt und das Amt in gute Hände.“

AZ vom 28.08.2020

 Bodenwellen sorgen für Ärger und Lärm

Krach raubt Anwohnern der Straße Palz in Schierwaldenrath den Schlaf. Gutachter soll hinzugezogen werden.

 

Gangelt-Schierwaldenrath Heftige Bodenwellen in der Straße Palz in Schierwaldenrath machen den Anwohnern seit Jahren zu schaffen. Vor vier oder fünf Jahren tauchten die ersten Bodenwellen auf, nachdem in der Palz Glasfaserkabel verlegt worden waren. 15 bis 20 dieser Bodenwellen ziehen sich über den Straßenverlauf hin. Das Problem ist nicht nur das unbequeme Befahren der Straße, sondern vor allem der Lärm, der entsteht, wenn Fahrzeuge mit Ladung über die Bodenwellen fahren. Den Anwohnern reicht’s.

Anwohner hatten schon alles Mögliche auf der Straße gefunden, vom Müll, der auf die Kippe sollte, aber durch das Aufschaukeln des Hängers verlorenging, bis zu Materialien, die von Baustellen- oder landwirtschaftlichen Fahrzeugen fielen. Leere Lkw, die mit offener Ladeklappe über die Bodenwellen schaukeln, verursachen besonders viel Lärm. Zwei abgerissene Pkw-Anhänger wurden auch schon beobachtet.

Antrag im Bauausschuss

Wilfried Wimmers wohnt an der Palz und hat wie viele andere Anwohner das Schlafzimmer zur Straße. Da Corona den Urlaub zu Hause verbringen lässt, hätte Frau Wimmers morgens gerne mal ausgeschlafen, doch daran ist bei dem Zustand der Palz nicht zu denken. Auch Anwohnerin Brigitte Esser hält den derzeitigen Straßenzustand für unzumutbar und hatte sich vor 14 Tagen an ihre Nachbarin Ingrid Heim gewandt. Ob sie denn noch politisch aktiv sei, hatte Brigitte Esser Heim gefragt und darum gebeten, dass endlich was in der Palz passieren müsste. Da hatte Ingrid Heim ihren Antrag für die nächste Bauausschusssitzung der Gemeinde Gangelt schon fertig. Der Antrag, den Ingrid Heim im Namen der FDP-Fraktion stellte, forderte, der Rat möge beschließen, dass unverzüglich Maßnahmen ergriffen werden, die zur Beseitigung der durch die Bodenwellen in der Palz verursachten massiven Belästigungen führen.

Ein paar Tage vor der Bauausschusssitzung hatte sich die Gemeindeverwaltung an Ingrid Heim gewandt, mit dem Hinweis, dass die Verwaltung bereits erste Maßnahmen in 2019 ergriffen habe. Genaueres könne man ihr aber erst in einigen Wochen sagen, sie könne ja ihren Antrag bis dahin zurückstellen. Dies tat Ingrid Heim nicht. Und so wurde der Antrag im Bauausschuss behandelt.

Recht ausführlich legte die Verwaltung dem Ausschuss dar, was ein paar Tage zuvor noch nicht spruchreif gewesen war. Man habe in den letzten Monaten geprüft, ob die Bodenwellen den Bauarbeiten eines bestimmten Versorgers zuzuordnen seien. Glasfaser, Telekom und auch der Gasversorger hätten in der Palz Leitungen verlegt. Die Bodenwellen seien nicht einem einzelnen Versorger zuzuordnen. Leo Schroten, UB Gangelt, meinte, solche Straßenschäden habe er noch nie gesehen. Man müsse eine intensive Ursachenforschung betreiben und gegebenenfalls eine verlängerte Gewährleistung geltend machen. Die Verwaltung erläuterte, dass der nächste Schritt der schon Monate andauernden Recherchen die Beauftragung eines Gutachters sei.

Ingrid Heim freute sich, dass ihr Antrag nun doch noch so viel Gewicht bekommen habe. Heim kritisierte, die Informationspolitik der Gemeinde sei Teil des Problems, ihr sei kein Anwohner bekannt, der über die Aktivitäten der Gemeinde informiert wurde. Dem hielt der Ausschussvorsitzende Hans Ohlenforst (CDU), Ortsvorsteher von Schierwaldenrath, entgegen, dass die Diskussion zu den Bodenwellen im Ort schon mehrfach geführt worden sei. Und in Bezug auf die erste probeweise Ausbesserungsmaßnahme in 2019 meinte Hans Ohlenforst: „Zu sagen, das habe ich nicht mitbekommen, das glaube ich nicht.“ Schließlich sei das beauftragte Bauunternehmen einen halben Tag vor Ort gewesen. CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Milthaler witterte hinter dem FDP-Antrag ein Wahlkampfmanöver, das er „nicht so toll“ fand. Ein wenig seltsam mute es an, wenn die Maßnahmen der Verwaltung dem Ortsvorsteher seit Monaten bekannt seien, im Ort diskutiert werden, wie er meinte, doch Anwohner davon nichts erfahren.

Auch wenn Bianca Krichel zu denen in der Palz gehört, die nicht so sehr von den Bodenwellen in Mitleidenschaft gezogen werden, da ihre Wohnräume nicht direkt an der Straße liegen, hätte sie sich doch über ein paar Infos zum Stand der Dinge gefreut. „Zu mir sind keine Informationen durchgedrungen“, stellt sie fest. Dies unterstreicht auch Freya Otto. Sie ist nicht nur Anwohnerin, sondern auch Ratsmitglied der SPD. Sie sagt nach vielen Gesprächen mit Anwohnern: „Mir ist niemand über den Weg gelaufen, der von der Sache Kenntnis hatte. Alle finden, die Situation ist so nicht mehr tragbar.“

Unterbau austauschen

Dass etwas passieren muss in der Palz, war wohl auch den Mitgliedern des Bauausschusses bewusst. Einstimmig beschloss man, die Verwaltung möge weiter recherchieren und im nächsten Schritt einen Gutachter beauftragen, um in einer der nächsten Sitzungen Ergebnisse vortragen zu können. Zu der in 2019 vorgenommenen Maßnahme hatte die Verwaltung in der Sitzung erklärt, dass an einer Stelle probeweise der Unterbau des Straßenaufbaues ausgetauscht wurde und sich bisher keine weiteren negativen Veränderungen eingestellt hätten. Die Kosten hätten sich seinerzeit auf rund 4000 Euro belaufen, so dass bei dieser Möglichkeit mit Gesamtkosten von 60.000 Euro zu rechnen sei, welche im Haushalt zur Verfügung gestellt werden müssten.

Bleibt abzuwarten, ob sich für solch eine Ausgabe eine Mehrheit finden wird, falls der Gutachter nicht doch die Möglichkeit einer Gewährleistung in Betracht zieht in Bezug auf Mängel im Zuge der Leitungsverlegung in einer Straße, die erst vor zehn Jahren instand gesetzt worden war – und zwar mit erheblichen Anliegerbeiträgen.

 

AZ vom 15.05.2020

Beigeordneter Gerd Dahlmanns einstimmig wiedergewählt
Ungewöhnliche Ratssitzung in der Willy-Bomanns-Festhalle in Breberen

GANGELT-BREBEREN Nach 16 Jahren wird nun Gerd Dahlmanns seine dritte Amtsperiode antreten und noch acht weitere Jahre auf seinem Posten in der Gemeindeverwaltung bleiben. Seine Dankesworte fielen ungewohnt ernst aus.
Als ungewöhnlich darf man die aktuelle Ratssitzung der Gemeinde Gangelt bezeichnen. Außergewöhnlich war nicht nur der Veranstaltungsort. Die Gemeindeverwaltung hatte die Ratssitzung vom Forum des Rathauses, das unter Corona-Gesichtspunkten, so Bürgermeister Bernhard Tholen, zu klein gewesen wäre, in die Willy-Bomanns-Festhalle in Breberen verlegt. Dort konnten die Ratsmitglieder mit dem entsprechenden Abstand zueinander dem Sitzungsverlauf folgen.
Ungewöhnliches Glück habe die Gemeinde mit der Verpflichtung ihres Beigeordneten Gerd Dahlmanns gehabt, hieß es. Dahlmanns hatte vor 16 Jahren seinen Posten in der Gemeindeverwaltung angetreten. „Er hat die Geschicke der Gemeinde hervorragend geführt“, urteilte Bürgermeister Bernhard Tholen, bevor er den Rat über die Wiederwahl des Beigeordneten abstimmen ließ.
Das Abstimmungsergebnis fiel einstimmig zugunsten von Gerd Dahlmanns aus, der nun seine dritte Amtsperiode von acht Jahren antreten wird. Gerd Dahlmanns bedankte sich bei den Ratsmitgliedern mit ungewöhnlich ernsten Worten, deren Tragweite sich wohl erst dem neuen Rat und dem neuen Bürgermeister nach der Kommunalwahl eröffnen wird. Er sei kein Freund großer Worte, bemerkte Dahlmanns in seiner Dankesrede, doch ein paar Worte wolle er doch an die Ratsmitglieder richten. „Wir stehen vor großen Herausforderungen, deren Umfang derzeit niemand seriös einschätzen kann.“ Und wer Gerd Dahlmanns ein wenig kennengelernt hat, der erwartete an dieser Stelle nicht, dass sich der alte und neue Beigeordnete auf Spekulationen über die Art dieser Herausforderungen einlassen würde.
Klar war aber allen im Saal, dass Dahlmanns auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie abzielte, die nicht nur die Gemeinde Gangelt noch zu spüren bekommen wird. Ungewöhnlich war auch, dass das freudige Ereignis der Wiederwahl eines geschätzten Beigeordneten nicht in fröhlicher Runde nach der Sitzung begossen wurde. Aber da alle Veranstaltungen der Gemeinde Gangelt von der Gangelter Musiknacht über das Ritterfest bis zum Nikolausmarkt für das Jahr 2020 aufgrund der aktuellen Lage abgesagt werden, fiel natürlich auch dieser Umtrunk ins Wasser. Gerd Dahlmanns hatte aber für alle Ratsmitglieder ein paar Flaschen Gängelder Bejer bereitgestellt, um im heimischen Biergarten auf das Wohl der schönen Gemeinde Gangelt anstoßen zu können.
Coronabedingt waren auch einige Tagesordnungspunkte der Ratssitzung. Jeweils einstimmig sprach sich der Rat für ein Aussetzen der Beitragserhebung für die Betreuung von Kindern in der Ganztagsschule sowie für die außerunterrichtlichen Betreuungsangebote der Primarstufe im Zuge von Covid-19 für die Monate März, April und Mai sowie für einen Antrag der Gewerbegemeinschaft Gangelt auf zinslose Stundung von Gewerbesteuerbeiträgen für Unternehmen in der Gemeinde für die Dauer von sechs Monaten aus.
Einstimmig bis auf eine Ausnahme stimmte der Rat über die laufenden Bebauungspläne ab. Lediglich beim Bebauungsplan „Zum Gelindchen/III“ in Birgden stimmte Hermann-Josef Peters, CDU-Mitglied aus Birgden, gegen den Plan. Er befürchte, so Peters, durch ein weiteres Baugebiet im Osten eine Spaltung des Ortes in Alt- und Neu-Birgden. Der Ort entwickle sich zu sehr nach Osten hin. Die Verkehrsanbindung des Ostens sei derzeit nicht ausreichend.

AZ vom 20.08.2020

 

„Im Großen und Ganzen ist es ganz gut gelaufen“

Nach 23 Jahren als hauptamtlicher Bürgermeister von Gangelt übergibt Bernhard Tholen die Geschicke der Gemeinde in die Hände seines Nachfolgers

Von Simone Thelen

Gangelt Ein ganzes Jahr ohne Ämter und Termine – das hat sich der dienstälteste hauptamtliche Bürgermeister im Kreis Heinsberg für die Zeit nach der Amtsübergabe vorgenommen. 23 Jahre lang war Bernhard Tholen Bürgermeister der Gemeinde Gangelt. „Es war eine wunderschöne Zeit“, sagt er im Rückblick, „aber ich freue mich jetzt auch, wenn es zu Ende ist.“

Etwas mehr als ein Jahr von der Entscheidung, nicht mehr zur Wahl anzutreten, bis zum Ende der Amtszeit war für Tholen eigentlich zu lang: „Ich bin in jeder Hinsicht ungeduldig. Jeder, der hier reinkommt, fragt als Erstes ‚Wie lange hast du noch?‘. ‚Weiß ich nicht‘, sage ich dann immer, und schon kommt der Nächste mit der gleichen Frage.“ Bei neuen Sachen, die auf Bernhard Tholens Schreibtisch landen, überlegt er, was er noch selbst regeln sollte und was er lieber seinem Nachfolger überlässt. „Schließlich muss der ja auch mit den Entscheidungen leben, die heute getroffen werden. Sicherlich gibt es Dinge, die ich noch selbst abschließen möchte. Bebauungspläne zum Beispiel, an denen ich schon lange mitgearbeitet habe.“ Andere Dinge hingegen werden für den neuen Bürgermeister zur Seite gelegt.

Vor 23 Jahren hatte sich Bernhard Tholen basierend auf seiner Erfahrung als Gemeindedirektor einige strategische Ziele für die Gemeinde gesetzt. „Diese habe ich im Laufe der Zeit konkretisiert, manchmal auch korrigiert und schließlich kontrolliert, ob ich alles so umsetzen konnte wie geplant. Im Rückblick kann ich sagen: Gemeinsam mit meinem Team der Verwaltung und im guten Dialog mit den politischen Akteuren habe ich viel erreicht.“

Bernhard Tholen übergibt eine Gemeinde mit soliden Finanzen. Seit 2013 ist Gangelt schuldenfrei. Die Zahl der Einwohner ist seit seinem Amtsantritt von rund 10.400 auf jetzt 13.000 gestiegen. „Ich hatte mir ein Wachstum von einem Prozent pro Jahr vorgenommen. Das passt ziemlich genau.“ Das Einwohnerwachstum sei eine wichtige Voraussetzung, um das Leben in der Gemeinde zu gestalten. „Viele junge Leute beleben den Ort. Die Voraussetzungen für die Verbesserung der Infrastruktur sind damit geschaffen.“ Als Beispiele nennt Tholen den gelungenen Ausbau der Nahversorgung, die Weiterentwicklung im gewerblichen Bereich und den Anstieg der innerhalb der Gemeinde sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 2000 auf 5000 Arbeitsplätze. Hinzu kämen die Investitionen in Schulen, Kindergärten, Straßen und in den Ausbau der Feuerwehr. „Die Zahl der Kindergärten ist von drei auf sieben gestiegen, die Grundschulen wurden erweitert, und in der Gesamtschule werden gerade zehn Millionen Euro investiert.“

Ein weiteres Ziel, das sich Tholen gesetzt hatte, war die Stärkung der Dorfgemeinschaften und Vereine. „Heute gibt es – mit Stahe – sechs Dorfgemeinschaftshäuser, die bestens angenommen werden. In Gangelt kann die Aula der Gesamtschule und in Birgden die Mehrzweckhalle für dörfliche Zwecke genutzt werden.“ Wichtig sei ihm zudem auch immer die Stärkung von Tourismus und Freizeit gewesen, „dies hat für die Zufriedenheit der Einwohner einen großen Wert, und auch die Touristen sollen sich hier wohl fühlen“.

Rückblickend ist Bernhard Tholen mit dem Erreichen seiner Ziele durchaus zufrieden. „Ob alles richtig war, mögen andere entscheiden. Aber im Großen und Ganzen ist es doch ganz gut gelaufen. Die Gemeinde hat beste Voraussetzungen für die Zukunft.“

Eine große Abschiedsfeier wird es in der Corona-Zeit für Bernhard Tholen nicht geben. „Es würde mir aber auch nicht gefallen, mich zu verabschieden, ohne den ein oder anderen mal in den Arm nehmen zu können. Aber es gibt Schlimmeres, das ist schon okay.“ Ähnlich bescheiden sehen Tholens Pläne für die Zukunft aus: „Ich möchte einfach runterkommen und Zeit haben für die kleinen Dinge: morgens eine Runde mit den Hunden, auf dem Rückweg Brötchen holen, anschließend etwas Sport machen und sich dann gemeinsam Gedanken über das Mittagessen machen, am Nachmittag dann noch einmal drei bis vier Stunden Hundespaziergang. Das sind die Dinge, die ich mir wünsche und die in all den Jahren zu kurz gekommen sind.“ Auch ein paar Reisen haben sich Bernhard Tholen und seine Frau vorgenommen, „aber nichts Großes, von mir aus einige Wanderungen in der näheren Umgebung. Ich habe nicht vor, die Welt zu erobern.“

Nach 30 Jahren der Verantwortung gehe man schon etwas gebückt, meint Tholen, der schon jetzt merkt, dass ihm eine gewisse Last von den Schultern fallen wird. „Die muss nun ein anderer tragen, und ich werde mich in keiner Weise in die Geschicke der Gemeinde einmischen. Ich werde auch ein Jahr lang keine Großveranstaltungen besuchen und möchte meinem Nachfolger nicht im Wege stehen. Er muss einen eigenen Weg finden und selbst entscheiden, was er anpackt und wo er hingeht.“ Erst nach diesem Jahr möchte Tholen wieder mit ehrenamtlicher Arbeit und einigen Terminen beginnen. „Aber ich mache nur das, was mir Spaß macht.“

AN vom 08.05.2020

Stellgebühren bleiben gleich
Zu diesem Ergebnis kommt der Gemeinderat in Gangelt bei seiner Sitzung


Gangelt Der Wohnmobilstellplatz der Gemeinde Gangelt am Kahnweiher war in der vergangenen Saison nicht gut ausgelastet gewesen. Daher hatte sich die Gemeindeverwaltung Gedanken gemacht, ob mit einer Anpassung der Entgelte mehr Interessenten für den Platz gewonnen werden könnten. Im Haupt- und Finanzausschuss stellte die Verwaltung ihre Überlegungen vor, allerdings mit dem Ergebnis, dass für die Restsaison 2020 alles beim Alten bleibt.
Die Verwaltung hatte erklärt, dass die Entwicklung im Jahr 2019 gezeigt habe, dass die 20 Euro für die Hauptsaison schwer zu erzielen seien. Viele Wohnmobilisten hätten aufgrund der erhöhten Preise während der Sommerferien den Stellplatz gemieden. Die Auslastung habe in der Hauptsaison gerade mal 28 Prozent betragen, die Auslastung in der Zwischensaison 29 Prozent.
Die Verwaltung hatte daher vorgeschlagen, die Saison zukünftig statt in drei Teile in eine Haupt- (15 Euro pro Nacht) und eine Nebensaison (10 Euro) aufzuteilen. Bürgermeister Bernhard Tholen erläuterte, dass die Übernahme des Stellplatzes von der Firma Prospex zum 1. Juli 2019 sicherlich ungünstig gewesen sei, da noch einige Arbeiten auf dem Platz zu erledigen gewesen seien.
Rainer Mansel, Fraktionssprecher der SPD, argumentierte, der Platz sei vergangenes Jahr nicht ausgelastet gewesen, weil er zuvor von langjährigen Nutzern blockiert gewesen sei. Diese waren wohl nach der Preiserhöhung aus Protest weggeblieben. Mansel geht davon aus, dass es sich erst noch herumsprechen müsse, dass es in Gangelt wieder Stellplätze gebe. Schließlich handle es sich bei dem Wohnmobilstellplatz am Kahnweiher nicht um einen gewöhnlichen Stellplatz.
Auch Bürgermeister Tholen unterstrich die Top-Qualität des Platzes, der mit Freibad, Minigolf, Kahnfahren und dem benachbarten Rodebachtal ein ungewöhnlich vielfältiges Freizeitangebot biete. Auch Karl-Heinz Milthaler, Fraktionssprecher der CDU, sprach sich dafür aus, noch ein Jahr abzuwarten, zumal eh unklar sei, wie sich aufgrund von Corona die Restbelegungszeit gestalten werde.

 

Zusätzliche Informationen