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Damit es raucht, muss selbst gedreht werden

Ersatzteile für Dampfloks sind schwer zu kriegen. Darum setzt die Selfkantbahn auf Eigenproduktion – und braucht dafür Geld.

Gangelt-Schierwaldenrath Die Gemeinde Gangelt steht voll hinter ihrer Eisenbahn. Dies wurde beim Ortstermin des Ausschusses für Sport- und Vereinsangelegenheiten der Gemeinde Gangelt am Bahnhof Schierwaldenrath deutlich.

Die Ausschussmitglieder besichtigten zunächst die Fahrzeughalle des Kleinbahnmuseums Selfkantbahn. Ehrenamtliche Helfer des Fördervereins Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr schrauben dort an historischen Lokomotiven und den entsprechenden Eisenbahnwaggons. Ziel ist es, den historischen Schienenverkehr authentisch darzustellen. Und das funktioniert nun mal nur, wenn man an den alten Schätzen werkelt, bis sie wieder flott sind. Geht an einer Lok eine Schraube kaputt, läuft man vergeblich zum nächsten Baumarkt. Stattdessen muss das Ersatzteil selbst in der Werkstatt gedreht werden.

Wie viel Arbeit hinter den beliebten Dampflokomotivenfahrten steckt, war den Ausschussmitgliedern aber sicherlich auch schon vor ihrem Besuch bewusst. Denn jährlich unterstützt die Gemeinde Gangelt die Arbeit des Fördervereins Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr mit 10.000 Euro. Da derzeit aber die schon zehn Jahre laufende Restaurierung der Lok 5 „Regenwalde“, Baujahr 1930, vorangetrieben wird und für die in den kommenden ein bis zwei Jahren anstehenden Arbeiten noch erhöhter Finanzbedarf besteht, gewährte der Ausschuss für Sport- und Vereinsangelegenheiten der Interessengemeinschaft zusätzlich einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 20.000 Euro.

Auch bei der Suche nach weiteren Sponsoren wird die Gemeinde dem Förderverein behilflich sein. Bernd Fasel, Vorsitzender der Interessengemeinschaft, der die Ausschussmitglieder über das Betriebsgelände führte, dankte der Gemeinde für die „riesengroße Hilfe“, die dazu beitragen wird, die Lok bald in Betrieb zu stellen.

„Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Ehrenamtler, die in ihrer Freizeit an den Loks arbeiten, schlechte Laune bekommen, weil das Geld fehlt, um weitermachen zu können.“

Bernhard Tholen, Bürgermeister der Gemeinde Gangelt

Die beiden anderen Dampfloks der Selfkantbahn laufen ebenfalls nicht allein mit Kohle und Wasser. Bei der Lok 20 wurde der Kessel bereits ausgetauscht. Sie wird innerhalb der nächsten Monate wieder in Betrieb gehen können. Bei der derzeit aktiven Lok 101 läuft im November die sogenannte Kesselfrist aus. Dann muss die Lok zum TÜV, dann wird voraussichtlich auch bei ihr ein Kesseltausch anstehen.

Bernd Fasel und seine Mitstreiter freuen sich darüber, dass die Hilferufe der Selfkantbahn nicht ungehört verhallen. Fasel: „Wir haben schon viel Unterstützung bekommen, einige 10.000 Euro sind eingegangen. Wir sind guter Dinge.“

Welche Summen die Selfkantbahn zu stemmen hat, belegt alleine der Kostenvoranschlag für den Ende des Jahres anstehenden Kesseltausch der Lok 101, der sich auf 80.000 Euro beläuft.

Unvergessliches Erlebnis

Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen überzeugte sich ebenfalls von dem Arbeitspensum, das hinter den Kulissen des Dampfzugbetriebs geleistet wird. „Es gibt nichts Schlimmeres“, sagt er, „als wenn Ehrenamtler, die in ihrer Freizeit an den Loks arbeiten, schlechte Laune bekommen, weil das Geld fehlt, um weitermachen zu können. Ohne Dampfloks wäre der Eisenbahnbetrieb doch nur halb so schön. So eine Fahrt vergisst man nicht.“

Karl-Heinz Milthaler

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Karl-Heinz Milthaler

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