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AN vom 6. Dez. 2018

Gemeinde steht weiter auf solidem Fundament

GANGELT Kämmerer Gerd Dahlmanns hat im Hauptausschuss den Haushalt für das Jahr 2019 eingebracht. Die Gemeinde hat erstmals seit Jahren wieder Schulden. Dafür gibt es aber eine einfache Erklärung. Rat entscheidet kommende Woche.

„Die Phönizier haben das Geld erfunden. Warum bloß so wenig?“ Mit diesem Zitat begann Gemeindekämmerer Gerd Dahlmanns seine kleine Reise durch die Zahlen für den Gangelter Haushalt 2019 im Hauptausschuss.

Die Finanzen der Gemeinde Gangelt stehen weiterhin auf einem soliden Fundament. So könnte man knapp seine Ausführungen zusammenfassen. Aufwendungen von gut 26 Millionen Euro (rund eine Million Euro mehr als im Vorjahr) stehen Erträge von rund 23,4 Millionen Euro gegenüber – es fehlen also 2,6 Millionen Euro. Die „Systematik des Finanzausgleiches“, so Dahlmanns, sei hier federführend. „Wir hatten in den letzten Jahren nicht erwartete Überschüsse zu verzeichnen.“

Die Jahre 2016, 2017 und vermutlich auch das laufende Jahr bringen jeweils mehr als 1,6 Millionen Euro. Das liegt vornehmlich an der Gewerbesteuer. Die stieg von 2014 mit 3,8 Millionen Euro auf über 6,2 Millionen Euro 2017. In diesem Jahr werden mehr als sieben Millionen Euro erwartet. In dieser hohen Summe finden sich aber auch Nachzahlungen aus den Vorjahren.

So weit, so gut. Wegen der guten Finanzlage verringern sich die Zuweisungen des Landes und der Gangelter Anteil an den Kreisumlagen steigt. „Das System des Finanzausgleichs ist nicht dazu bestimmt, Überschüsse in den Kommunen zu erwirtschaften. Es ist dazu bestimmt, den Kommunen eine angemessene Finanzausstattung zu gewährleisten und die berühmte „schwarze Null“ zu erreichen. Zu diesem Zweck ermittelt das Land für jede Kommunen einen fiktiven Finanzbedarf, zieht hiervon die eigenen Steuern ab und gewährt vom Differenzbetrag einen 90-prozentigen Zuschuss“, so Dahlmanns. Das Land rechnet mit 7,2 Millionen Euro an Gewerbesteuer, der Kämmerer aber nur mit 4,7 Millionen Euro – da hat man schon den Fehlbetrag.

Die guten Jahresabschlüsse der vergangenen Jahre haben Gangelt eine Ausgleichsrücklage beschert, die sich gegenüber ihrem Ursprungsbestand mehr als verdoppelt hat. 2009 ist man mit vier Millionen Euro gestartet, einschließlich des Jahresabschlusses 2017 finden sich knapp zehn Millionen Euro auf dem Sparbuch. Da ist es ein Leichtes, das errechnete Minus auszugleichen.

Investiert wird natürlich auch. Der zweite Bauabschnitt der energetischen Sanierung der Gesamtschule ist mit weitem Abstand die größte Einzelmaßnahme. Rund 3,3 Millionen Euro sind hier eingeplant. Insgesamt belaufen sich die Baumaßnahmen für die Schule auf 6,5 Millionen Euro. Für Gewerbegrundstücke sind 200.000 Euro eingeplant, für die Infrastruktur rund um den Betrieb der Gemeinde und für die Ausstattung von Feuerwehr und Bauhof gibt es eine Millionen Euro.

Brandschutzmaßnahmen für die Grundschule Birgden und die Umsetzung des Digitalisierungskonzepts für die Grundschulen sind weitere Posten. „Unerfreulich“ nannte Dahlmanns das Programm „Gute Schule 2020“. Denn es sorge dafür, das Gangelt erstmals seit Mitte 2013 wieder Schulden hat. Um kurzfristig die schulische Infrastruktur mit nennenswerten Mitteln zu verbessern, wurden die Kommunen aufgefordert, Darlehen bei der NRW-Bank aufzunehmen, die das Land dann tilgt. „Wenn man schuldenfrei ist, dann fragt man sich, ob es keine anderen Wege gegeben hätte, die Kommunen zu unterstützen. Letztendlich hatten wir nur zu entscheiden, ob wir das Programm annehmen oder ablehnen. Wir haben uns dafür entschieden, die Mittel für die Schulen einzusetzen und sind daher – seit dem 15. Oktober 2018 – wieder verschuldet. Im Jahr 2019 werden weitere Darlehen in Höhe von 181.573 € hinzukommen und das, obwohl wir eine ausreichende eigene Liquidität vorhalten!“ Am kommenden Dienstag wird der Rat über den Haushalt entscheiden.

AN vom 05.12.2018

Kein gutes Jahr für den Gangelter Gemeindewald

Jedes Jahr um Nikolaus besucht Förster Wolfgang von der Heiden vom Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde eine Sitzung des Bau- und Umweltausschusses der Gemeinde Gangelt und stellt den Forstwirtschaftsplan für das kommende Jahr vor. Bei seinem diesjährigen Besuch hatte Wolfgang von der Heiden leider keine guten Nachrichten zu verkünden.

Der Sturm Friederike habe zu Beginn des Jahres den Gangelter Gemeindewald zwar noch einigermaßen verschont, zumindest im Vergleich zu den Nachbargemeinden, wo es sehr gerappelt habe. Doch durch die Dürre und die hohen Temperaturen im Sommer seien auch Kulturen aus den Vorjahren eingegangen.

Leider, so von der Heiden, habe sich zudem der Fichtenborkenkäfer stark vermehrt. Das sei umso bedauerlicher, da die Fichte das Brot jedes Waldbesitzers sei. Wolfgang von der Heiden: „Auf dem Holzmarkt sieht es ganz düster aus.“ Es sei unsicher, ob das Nadelholz verkaufbar sei. Die wertvollen Eichen wolle man aber erhalten.

Die Einnahmen aus dem Holzverkauf abzuschätzen, sei schwierig. Das Unterfangen käme dem Blick in die Glaskugel gleich. Wolfgang von der Heiden rechnet mit Erträgen in Höhe von voraussichtlich 20.000 Euro. Dem stehen im Forstwirtschaftsplan 2019, dem die Mitglieder des Bauausschusses einstimmig ihre Zustimmung erteilten, Kosten in Höhe von 34.705 Euro gegenüber. Die geplanten Maßnahmen des Forstwirtschaftsplanes sehen im Bereich der Wegeunterhaltung nur dringend notwendige Unterhaltungsmaßnahmen in Höhe von 4500 Euro vor.

Geschädigt von der Dürre sind Birken und Kiefern, die im nächsten Forstwirtschaftsjahr gefällt werden sollen. Die Kosten für das Fällen, das Ausdünnen des Waldes, das mit dazu führen wird, dass sich die Bäume besser entwickeln können, und die Verkehrssicherung sind mit 5416 Euro im Wirtschaftsplan veranschlagt. In zwei Gebietsabschnitten des Gemeindewaldes soll aufgeforstet werden, in einem mit Küstentannen sowie im zweiten Abschnitt mit einer Mischung aus Douglasie, Küstentanne und Rotbuche. Diese Maßnahme und die damit verbundenen Arbeiten wie zum Beispiel das Freischneiden ergeben Kosten in Höhe von 21.489 Euro.

Im Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde geht man davon aus, dass mit den Arbeiten der Wert des Gemeindewaldes erhöht wird. Waldschutzmaßnahmen schlagen im Forstwirtschaftsplan 2019 mit 900 Euro zu Buche. Die Jungwuchspflege und die Bestandsregulierung zur Verbesserung der Qualität der Waldbestände werden 980 Euro kosten. Um den Ausschussmitgliedern vor Ort einen Eindruck vom Zustand des Gemeindewaldes zu vermitteln, wird Förster Wolfgang von der Heiden voraussichtlich im Mai 2019 einen Ortstermin anbieten.

AN vom 10. Oktober 2018

Woher hat der „Bollestengel“ seinen Namen?

GANGELT Allerhand Kurioses, Altes und Außergewöhnliches tritt zu Tage, wenn man sich mit den Straßennamen in Gangelt beschäftigt. Das tat nun der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Straßennamen beschäftigten die Mitglieder des Gangelter Gemeinderates in ihrer jüngsten Sitzung. Da war zum einen der Antrag der Volksbank Heinsberg, mit der Bitte, dem Straßenschild „Raiffeisenstraße“ im Gewerbepark Gangelt ein Hinweisschild zu spendieren, das sagt, wer denn hier gemeint ist. Angedacht ist, die Lebensdaten von Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 bis1888) und „Genossenschaftsgründer und Sozialreformer“ auf ein kleineres Schild unterhalb des Straßennamens anzubringen.

Der spezielle Anlass hier war der 200. Geburtstag des Mannes, nach dem Banken benannt sind.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Milthaler erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass es in allen Ortsteilen der Gemeinde Straßennamen gibt, mit denen viele Leute nichts mehr anfangen können. „Auch dort sollten wir ansetzen und Erläuterungen anbringen!“

Das griff Bürgermeister Bernhard Tholen auf und beauftragte die Ortsvorsteher, entsprechende Straßen zu ermitteln.

Tholen kam dann auf die langen Straßennamen zu sprechen. Die bereiten häufig bei Bestellungen im Internet Probleme. Bei der Hermann-Josef-Claeßen-Straße (28 Zeichen) beispielsweise könne man aufgrund der Länge die Hausnummer oft nicht mehr eingeben. Jeder Postboteisse, davon ein Lied zu singen.

Nicht viel besser sei es bei der Dr.-von-den-Driesch-Straße (26 Zeichen). Abkürzen - so lautete also das Gebot der Stunde.

Abkürzen ist nicht nötig bei den neuen Namen im Baugebiet Gangelt-Nord-V. Gangelts Ortsvorsteher Gerd Schütz hatte Vorschläge unterbreitet, sich dabei an den alten Flurzeichnungen orientiert und das auch mit allen Fraktionsvorsitzenden vorab besprochen. „Im Grootfeld“ ist dabei eine bekannt Bezeichnung – so heißt ein dort schon lange bestehender Bauernhof. „Wasserfeld“ liegt daneben, und der Begriff lässt sich leicht ableiten. Schwieriger ist das bei „Im Hatskestal“. Schütz hatte vorab bei alten Gangeltern recherchiert und war darauf gestoßen, dass in dieser Senke in grauer Vorzeit regelmäßig eine Hatz auf Hasen stattgefunden hat.

Dass die Sache mit dem Flurnamen nicht überall gut ankommt, zeigte SPD-Chef Rainer Mansel am Beispiel von Breberen auf. Dort, wo es bald Sebastianusstraße heißen wird, ist das Baugebiet „Bollestengel“. Man müsse der örtlichen Mundart nicht unbedingt mächtig sein, um hier mehr oder weniger schlüpfrig abzuleiten. Selbst alte Breberner könnten sich aber nicht erinnern, woher dieser seltsame Name stammt.

Wenn man von der Neu-, der Dorf-, der Haupt-, der Schul-, der Linden-, der Wald, der Kirch- und der Ringstraße absieht, findet man in der Gemeinde in jedem Ort Straßennamen, mit denen zumindest die heutige Generation nichts mehr anzufangen weiß. Der Luisenring in Gangelt ist nach einer Bürgermeistersgattin benannt, die Hermann-Josef-Claeßen-Straße nach deren Mann, der von 1812 bis 1957 Bürgermeister war.

Solange war selbst Heinrich Aretz nicht Bürgermeister – doch dazu später mehr.

Bei der Pastor-Fischenich- und der Pastor Schleyer-Straße kann man darauf kommen, welche Zunft gemeint ist – die Personen sind allerdings den Wenigsten noch bekannt. Bei der Dr.-von-den-Driesch-Straße kennen viele noch den alten Landarzt „Manes“ zumindest aus legendären Erzählungen.

Während die kleinen Orte Vinteln (55 Einwohner)und Schümm (fast 100) gar keine Straßenamen haben, gibt es in Kievelberg (25) die Von-Lieck-Straße.

Grundsätzlich werden in Gangelt keine Straßen nach lebenden Personen benannt – außer, sie heißen Heinrich Aretz. Der Ehrenbürger, Ehrenbürgermeister und überall hochdekorierte ehemalige Bürgermeister (1964 bis 97) hat im Birgdener Neubaugebiet schon „seine“ Straße, und es wird auf absehbare Zeit nicht nötig sein, dort extra für Unwissende noch ein Hinweisschild anzubringen.

AN vom 03.12.2018

Bauarbeiten an der Ortsumgehung Gangelt im Zeitplan

GANGELT Die Straßenbaumaßnahmen um Gangelt kommen gut voran. Besonders die Anwohner der Sittarder Straße dürften profitieren, aber nicht nur die. Es „wird Parkraum zu schaffen sein und wir müssen über die eine oder andere Einbahnstraße nachdenken!“, sagt Bürgermeister Bernhard Tholen.

Das feuchte Herbstwetter sorgt zumindest an der Oberfläche für etwas Matsch; ansonsten schieben und heben die Raupen und Bagger trockenen Boden aus. Die Arbeiten an der Gangelter Ortsumgehung EK13/17 sind in vollem Gange und Bürgermeister Bernhard Tholen nennt mit vorsichtigem Optimismus „Anfang 2020“ als den ungefähren Zeitpunkt, zu dem ein langer Planungsprozess mit den jetzt begonnen Bauarbeiten sein vorläufiges Ende finden soll.

Vorläufig deswegen, weil die neue B56, die die A46 (Janses Mattes) mit dem niederländischen Autobahnnetz verbindet und die Ortsumgehungen in Gangelt (K13) und Birgden (K3 ) entscheidende Bestandteile der dringend benötigten Verkehrsentlastung für Gangelt, Kreuzrath und Birgden sind. Einen radikalen Einschnitt soll es dann nach 2020 auf der Sittarder Straße in Gangelt geben. „Hier wird am Ende der Fußgänger im Mittelpunkt stehen“, so der Bürgermeister. Für den Autoverkehr soll die Ortsdurchfahrt unattraktiv gemacht werden.

Für jeden Anwohner der Sittarder Straße, der Straße, die Gangelt durchschneidet, klingt das wie Musik. Zwar hat speziell der Lkw-Verkehr schon abgenommen. Trotzdem ist die Verkehrs- und damit Lärmbelastung nach wie vor hoch. Angestrebt wird in diesem Zusammenhang auch, den arg ausgedünnten Einzelhandel wiederzubeleben.

Zu dem Gesamtprojekt „Umbau Ortskern“ wird Anfang 2019 die Bürgerbeteiligung starten. Für diesen Entwicklungsprozess setzt man im Rathaus rund zwei Jahre an. Dann werden die Förderanträge gestellt und der Umbau kann beginnen. „Der Ortskern muss attraktiver für die Bewohner und Touristen werden“, so Tholen. Ihm schwebt ein zentraler Marktbereich vor, an den sich ruhige Plätze, kleine Geschäfte und eine Flaniermeile anschließen. „Da wird Parkraum zu schaffen sein und wir müssen über die eine oder andere Einbahnstraße nachdenken!“

Im kommenden Jahr soll dann auch die vierte, immer noch ins Leere führende Ausfahrt aus dem Kreisverkehr zwischen Birgden und Waldenrath angebunden werden. Die Verlängerung der K3 geht von diesem Kreisverkehr bis hinter das Gewerbebiet an der Geilenkirchener Straße, von wo aus man dann Richtung Hanbusch und Geilenkirchen fahren kann. Das wird dann für Birgden neben der B56 – also der „großen“ Ortsumgehung – eine weitere Entlastung der Bahnhof, Gater- und Kreuzstraße sein.

Diese Bauprojekte, speziell in Gangelt, gehen einher mit einigen Umwidmungen und damit Verantwortlichkeiten für die Straßen. Die altbekannte B56 heißt heute L47 und ist damit von der Verantwortung des Bundes an das Land NRW abgetreten worden. Am Ende der Entwicklung, man spricht im Rathaus von 2022, soll es eine Gemeindestraße werden. Dann liegt die Planungshoheit vor Ort. Das wiederum wird zu einer Verschiebung der L47 über das Gewerbegebiet und den Luisenring führen.

Bei dem aktuellen Projektname EK13/EK17 steht das EK für Ersatzkreisstraße.

Die K13 ist heute die, die von Gangelt nach Vinteln und Langbroich führt, die K17 (ehemals L221) führt von Gangelt nach Kreuzrath. Von der Verlängerung Hanxlerstraße ist also links die EK13 im Bau, der Bereich EK17 – der im kommenden Jahr begonnen wird, führt zur L47 (ehemals B56) in die Nähe des Wirtsberg. Dort, an der Verlängerung Hanxlerstraße und am Hastenrather Weg, werden drei Kreisverkehre die neue Straße an die bestehenden anschließen.

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AN vom 09. Oktober 2019

Entscheidung zur Amselschule fällt aus

GANGELT Eigentlich hätte der Dienstag zum Tag der Entscheidung für die Amselschule werden sollen. Doch wenige Stunden vor der Sitzung des Gemeinderats zog die Gründungsinitiative überraschend ihren Antrag zurück. Ob es in Gangelt eine freie Grundschule geben wird, bleibt damit bis auf Weiteres unklar.

Der Grund für den plötzlichen Rückzieher war in der Schulausschusssitzung am Abend zuvor zu finden. Die Köpfe der Gründungsinitiative, Kristina und Marlon Dahlmanns und Katrin und Markus Salden, präsentierten ihre Pläne und stellten sich Rückfragen des Gremiums. Auf Basis dessen sollte der Gemeinderat am Dienstag die Entscheidung treffen, ob unweit der Gesamtschule ein neues Schulgebäude entstehen darf. Doch die Verwaltung hatte auch Schulamtsdirektor Christoph Esser vom Kreis Heinsberg sowie den vom Kreis Heinsberg beauftragten Gutachter Wolf Krämer-Mandeau eingeladen. Ihre Einschätzungen lassen sich so zusammenfassen, dass Gangelt der falsche Ort für die Amselschule sei, und zwar wegen der Konkurrenz für die Regelschulen.

Keine reine Grundschule

Die behördlichen Sorgen beziehen sich offenbar besonders auf die Gesamtschule Gangelt-Selfkant. Denn die Amselschule will langfristig keine reine Grundschule bleiben, sondern vier Jahre nach den ersten Einschulungen auch eine Sekundarstufe I bilden. Damit, so die Warnung, geriete auch die Gesamtschule in Gefahr, die vierzügig sein muss. „Die Erfolge, die sie aufgebaut haben, werden so nicht mehr zu halten sein“, sagte Krämer-Mandeau.

Dieser Vortrag war es, der dazu führte, dass die Amselschule am folgenden Tag ihren Antrag zurückzog. Denn die Zahlen, die die angebliche Gefährdung der Gesamtschule belegen sollten, waren bei der Präsentation kaum zu erkennen. Vor allem aber wurden sie der Politik nicht schriftlich zur Verfügung gestellt. Man wolle „allen Beteiligten die Möglichkeit geben, die genannten Zahlen selbst zu überprüfen“, schrieben die Schulgründer also am Dienstag der Gemeindeverwaltung. Davon, dass der Unterricht kommendes Jahr im neuen Schulgebäude hätte starten können, war man offenbar sowieso nicht mehr ausgegangen.

Ein Nein lag in der Luft

Der Rückzieher könnte eine weise Entscheidung gewesen sein. Denn die angebliche Gefährdung der Gesamtschule hatte dem Ausschuss und auch Bürgermeister Bernhard Tholen (CDU) erkennbar Unbehagen bereitet. Es lag in der Luft, dass der Gemeinderat den Amsel-Gründern eine Absage erteilen würde. Dem wären sie nun zuvor gekommen.

Wie konkret aber wäre die Gefahr für die Gesamtschule? Dem Schulausschuss wohnte auch Gesamtschulleiter Reinhold Schlimm bei, der feststellte, dass man pro Jahr „110 Schüler plus x“ benötige, um Planungssicherheit zu genießen, was eher nach einer allgemeinverbindlichen Festellung als nach einer eindringlichen Warnung klang.

Die Amselschule lehnt sich stark an die Montessori-Pädagogik an und versteht sich als Gegenentwurf zu der traditionellen Schulidee, sie verzichtet auf Klassen ebenso wie auf Hausaufgaben. Stattdessen lernen die Kinder altersübergreifend, wann sie wollen und was sie wollen. All das soll umgesetzt werden in einem rund zwei Millionen Euro teuren Gebäude, das auf einem zurzeit noch landwirtschaftlich genutzten Grundstück östlich der Gesamtschule und südlich des Sportplatzes entstehen sollte.

Rein formell betrachtet hat die Gangelter Kommunalpolitik gar nicht die Möglichkeit dazu, über die Amselschule zu entscheiden. Das Recht, freie Schulen zu gründen, ist im Grundgesetz ebenso verbrieft wie in der Landesverfassung. Das gilt allerdings nicht für die Änderung von Flächennutzungsplänen und die Aufstellung von Bebauungsplänen. Weil beides für den Bau des Schulgebäudes notwendig ist, muss das Thema also doch über die kommunalpolitische Hürde: De jure geht es um Baurecht, de facto um die Frage, ob man in Gangelt eine freie Grundschule will oder nicht.

Überraschend kam sicher auch für die Gründungsinitiative, dass Zweifel am pädagogischen Konzept im Schulausschuss praktisch gar nicht laut wurden. Schulamtsdirektor Esser stellte sogar fest, dass „die pädagogischen Gemeinsamkeiten mit den Regelschulen deutlich überwiegen“ und die Amselschule in vielen Punkten für „genau die Dinge steht, die auch unsere Lehrpläne prägen“. Pädagogisch bestehe daher „keine Notwendigkeit“ für eine freie Schule.

Die Gründungsinitiative dürfte ihre Schwierigkeiten damit haben, diese Behauptung ernst zu nehmen. Täte sie es doch, müsste man ihre Mitglieder fragen, wofür sie eigentlich seit mehr als einem Jahr einen großen Teil ihrer Freizeit opfern.

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