Vinaora Nivo Slider

AN vom 15. März 2018

Wohnquartier Mercatorstraße: Entscheidung im Juni?

GANGELT. Die Kanzlei „Lenz und Johlen, Rechtsanwälte Partnerschaft“ aus Köln hat die Stellungnahme von Dr. Dorothee Heinzelmann zum Bauvorhaben vor der Gangelter Stadtmauer geprüft. Das Ergebnis dieser Prüfung wurde nun den politischen Vertretern der Gemeinde und dem Bürgermeister mitgeteilt.
 Das Schreiben enthält den Satz: „Wir haben diese Stellungnahme aus denkmalrechtlicher Sicht geprüft und kommen zu dem klaren und eindeutigen Ergebnis, dass die Gemeinde Gangelt als Trägerin der Planungshoheit berechtigt ist, ein Bauleitplanverfahren für die Fläche einzuleiten.“ Bei „aus denkmalrechtlicher Sicht“ ist „rechtlicher“ gefettet.

Belange der Denkmalpflege

Dr. Alexander Beutling hat für die renommierte Kanzlei das Schriftstück verfasst. Die Rechtsanwälte vertreten Christian und Matthias Conzen als Eigentümer der Fläche „Der Bongert“, auf der, wie berichtet, das „Wohnquartier Mercatorstraße“, wie das Bauvorhaben derzeit heißt, errichtet werden soll.

Das Schriftstück enthält keinen Antrag auf Einleitung eines Bauleitplanverfahrens. Es nimmt, wenn man das einmal so ausdrücken darf, die politischen Vertreter an die Hand und erklärt ihnen Folgendes: „Sofern die Gemeinde Gangelt ein städtebauliches Projekt an dieser Stelle für sinnvoll hält, um den Bedürfnissen der Wohnbevölkerung und älterer Menschen Rechnung zu tragen, sollte ein Verfahren eingeleitet werden mit dem Ziel, einen gerechten Ausgleich aller Belange im Verfahren herbeizuführen.“ Dr. Beutling verweist darauf, dass die Belange der Denkmalpflege unter einer Vielzahl anderer Belange wie etwa Wohnbedürfnissen der Bevölkerung zu bewerten seien.

Wie bereits berichtet, hatte Dr. Dorothee Heinzelmann vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland keinen Zweifel daran gelassen, dass mit ihr eine Bebauung der Fläche vor der Gangelter Stadtmauer auch mit Rücksicht auf das gesamte mittelalterliche Erscheinungsbild des Ortes nicht zu machen sei. Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen hatte unmissverständlich kundgetan, dass er sich als Untere Denkmalbehörde an die Maßgabe der Fachbehörde (Dr. Heinzelmann) gebunden sehe.

An dem Punkt kommen die politischen Vertreter ins Spiel. Sie wurden bereits bei einer internen Informationsveranstaltung der Bauherren über den aktuellen Planungsstand „Wohnquartier Mercatorstraße“ informiert. Bürgermeister Bernhard Tholen hat das Schreiben von Dr. Alexander Beutling als „Bitte“ aufgefasst, darüber nachzudenken, ob die Gemeinde Gangelt dieses städtebauliche Projekt für sinnvoll hält oder nicht. Dieses Nachdenken wird in einer der kommenden Sitzungen des Bauausschusses öffentlich werden.

Bürgermeister Tholen rechnet damit, dass nach eingehender rechtlicher Prüfung der Rat im Juni über ein Bauleitplanverfahren wird entscheiden können. Tholen verweist darauf, dass der bestehende Bebauungsplan von 1994 Wiese und Acker für die Fläche „Der Bongert“ vor der Stadtmauer festschreibe. Wer auf dieser Fläche etwas anderes wolle, der müsse sich für ein Bauleitplanverfahren entscheiden, stellte Tholen fest.

Weichen werden gestellt

Wie sich die Mehrheit die Mandatsträger im Rat entscheiden wird, scheint derzeit vollkommen offen. Eines ist aber sicher, es werden mit dieser Entscheidung die Weichen für die Zukunft des Ortes Gangelt gestellt. Und ohne Herablassung darf man sicherlich behaupten, dass beim „Wohnquartier Mercatorstraße“ gerade David und Goliath aufeinander treffen, der eine residiert im Rathaus, der andere am Gustav-Heinemann-Ufer am Kölner Rhein.

Die rechtlichen Hintergründe zu klären, dürfte nicht einfach werden. Dr. Beutling führt an, dass ein „rechtlich geschütztes Erscheinungsbild“ Voraussetzung sei, um denkmalpflegerischen Überlegungen auch denkmalrechtliche Relevanz zu verleihen. Bürgermeister Bernhard Tholen meinte schmunzelnd: „Das wird ja dann spannend.“

 

CDU Gangelt macht auf ihr Engagement aufmerksam


16401108.jpg
 
Im Rahmen der Mitgliederversammlung der CDU Gangelt wurden langjährige Mitglieder geehrt. Unser Foto zeigt die Jubilare Paula Driessen (M.) und Helmut Drießen (2.v.l.) mit den Gratulanten Dr. Heiner Breickmann (l.), Bernd Krückel (2.v.r.) und Bernhard Tholen (r.). Foto: Fischer

GANGELT. Der CDU-Gemeindeverband Gangelt nahm bei der gut besuchten Mitgliederversammlung im Haus Hamacher die Kommunalwahl 2020 ins Visier. Der Gemeindeverbandsvorsitzende Dr. Heiner Breickmann wehrte sich gegen den manchmal aus der Bevölkerung vorgetragenen Vorwurf, die CDU komme in Gangelt nicht vor. Breickmann hielt dem entgegen: „Wir setzen uns ein, wo wir nur können.“

 In der Gangelter CDU werde um jede Entscheidung gerungen, und er fügte hinzu: „Wir zeigen, dass wir uns einsetzen.“ In den nächsten zwei Jahren werde sich die CDU noch mehr auf die Bürger zubewegen müssen, so der Gemeindeverbandsvorsitzende. Ein Mittel seien die wieder ins Leben gerufenen Bürgergespräche.

Eine erste, sehr gut besuchte Veranstaltung habe bereits in Hastenrath stattgefunden. Das nächste Bürgergespräch stehe bereits für den 21. März im Haus Hamacher auf dem Terminplan. Den aus der Bevölkerung zu hörenden Vorwurf „Ihr wisst gar nicht mehr, was wir eigentlich wollen“ wollte Heiner Breickmann nicht stehen lassen und wiederholte: „Wir müssen auf die Leute zugehen.“ Ziel sei es, auch 2020 wieder stärkste Fraktion in Gangelt zu werden.

Breickmann erinnerte an den kürzlich verstorbenen Franz Oschmann, der mit Unterstützung von Willi Schürgers das „grüne Herz der CDU“ gewesen sei, bis zu seinem Austritt aus der CDU. Verdiente Mitglieder wurden im Rahmen der Versammlung geehrt. Helmut Drießen aus Birgden wurde für 40-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Paula Driessen erhielt eine Auszeichnung für 25 Jahre Mitgliedschaft. Seine Auszeichnung für 60-jährige Mitgliedschaft wird Heinz-Josef Gielen noch erhalten. Er konnte nicht anwesend sein.

Reserveliste wird umgestellt

In Bezug auf die nächste Kommunalwahl will die CDU ihre Reserveliste etwas umstellen. Um auch den Ehrenamtlichen, die sich in kleineren Ortschaften aufstellen lassen, eine Chance auf eine Fraktionsmitgliedschaft zu ermöglichen, sollen diesen vordere Listenplätze eingeräumt werden. Die entsprechende Liste wird auf Antrag von Ehrenbürgermeister Heinrich Aretz mit der Einladung zur nächsten Versammlung versandt.

Der CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Bernd Krückel berichtete der Versammlung von der Landes- und Bundespolitik. Im Hinblick auf die Kommunalwahl 2020 habe die CDU auf Kreisebene auch die Wahlkampfführung besprochen. Dabei sei auch die Verteilung der Kandidatenflyer zur Sprache gekommen, die vor allem eine positive Resonanz habe, wenn sie persönlich erfolge. Heinrich Aretz griff diesen Hinweis auf und meinte: „Wenn Ihr Erfolg haben wollt, stellt Euch den Bürgern.“

Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen berichtete von aktuellen Entwicklungen in der Gemeinde. Leider komme es aufgrund der Landtags- und Bundestagswahlen zu Verzögerungen bei der Auszahlung der Fördergelder, erklärte Tholen. So werde zum Beispiel die Sanierung der Gesamtschule, die im Rahmen der Städtebauförderung erfolge, wohl erst 2019 möglich, da die Bezirksregierung die entsprechenden Gelder wohl deutlich verspätet freigeben werde. Auch das erste Projekt im Rahmen des Programms Vital NRW warte nach wie vor auf die Realisierung, da noch keine Zusage der Landesmittel erfolgt sei, erläuterte Tholen.

Insgesamt befinde sich die Gemeinde aber seit zehn bis 15 Jahren in einer dynamischen Entwicklung. Im Rahmen des Städtebauförderprogramms könne dank der neuen Ortsumgehung der Ortskern Gangelt aufgewertet werden. Es sei angedacht, alte, leerstehende Bausubstanz aufzukaufen, unter Umständen abzureißen und die Grundstücke zur Verfügung zu stellen. Ehrenbürgermeister Heinrich Aretz wünschte sich eine solche Maßnahme auch für andere Orte. Aretz: „Überall hängen diese alten Bauten dazwischen.“ Es könne nicht sein, dass dies nun nur im Ortskern Gangelt geändert werde. Aretz: „Ich möchte in Birgden mit dabei sein.“

AN vom 26. Febr. 2018

GANGELT. „Das Ei des Rindtes“ ist ein Gedicht von Heike Dahlmanns und erzählt von den Problemen eines Rindes mit dem Eierlegen. Gut wird man denken, warum muss ein Rind auch Eier legen? Allerdings führte die Fragestellung „Warum tut jemand etwas, was er nicht kann“ relativ schnell mitten rein in den politischen Alltag der Gegenwart, den die Autorin Heike Dahlmanns mit spitzer Feder und viel Humor darstellte.

Paul Freches begrüßte im Namen der Senioren Union Gangelt die zahlreich erschienenen Besucher. Kurt Lehmkuhl als Leiter des VHS-Literaturkurses, der mit der Trilogie „Blutroter Selfkant“, „Tödlicher Selfkant“ und „Mörderischer Selfkant“ eine Erfolgsgeschichte der VHS geschrieben hat, hieß die Zuhörer im Namen seiner Mitautorinnen willkommen. Lehmkuhl zeigte sich erleichtert, dass seine Damen nun mit dem neuen Buch „Kunterbunter Selfkant“ das kriminelle Terrain verlassen haben. Wer wisse schon, scherzte Kurt Lehmkuhl, ob sie sich auf Dauer mit dem Morden auf Papier zufrieden gegeben hätten.

Lehmkuhl verwies darauf, dass auch die Einnahmen aus dem Verkauf des neuesten Werkes der Selfkant-Schreiber wieder dem Hospiz der Hermann-Josef-Stiftung Erkelenz zugute kommen werden. 44.253,67 Euro seien, so Lehmkuhl, bis zum Tag der Lesung in Gangelt auf das Konto der Stiftung überwiesen worden. 50 heitere und besinnliche Geschichten vereint die Anthologie „Kunterbunter Selfkant“. Im Pfarrheim Gangelt lasen neben Kurt Lehmkuhl und Heike Dahlmanns die Autorinnen Beatrix Hötger-Schiffers, Margarete Kaiser und Heidi Hensges Passagen aus ihren Werken.

Margarete Kaiser widmete sich in ihrem Beitrag der „Invasion der Nacktschnecken“. Diesem ziemlich glitschigen Thema gewann die Autorin sehr amüsante Eindrücke ab, die so manchem Zuhörer bekannt vorgekommen sein dürften. Nach allen vergeblichen Versuchen, der Invasion der Nacktschnecken im heimischen Garten Herr zu werden, stand die Ehe kurz vor dem Aus. Mit knappem Vorsprung hatte sich die Ich-Erzählerin am Ende dann doch für den Gatten entschieden, statt den Kampf gegen die Nacktschnecke zum Lebensinhalt zu machen. Heidi Hensgens berichtete in ihrer Kurzgeschichte vom Leben auf dem Lande und von der wilden Mathilde.

Lehmkuhl stellte die Autorin als Heidi Hensgens aus Hülhoven vor. Was Hensgens zu der scherzhaften Bemerkung anregte: „Ich komme nicht daher, ich wohne da nur.“ Genau genommen spielt ihre Geschichte ja auch nicht in Hülhoven, sondern in Horst, und ob alle Details der Dreiecksgeschichte autobiografisch waren, verriet die Schriftstellerin nicht. „Der 89. Geburtstag” von Beatrix Hötger-Schiffers nahm die Zuhörer mit auf eine Reise durch den Kreis Heinsberg und animierte sehr zum Schmunzeln und Lachen. Bei dem Gedicht „Tihange und Doel” von Margarete Kaiser ging es um die Gefahren der beiden Kernkraftwerke, die, wenn bei ihnen große Mengen von Radioaktivität freigesetzt werden, auch unsere Region verstrahlen würde. Ans Ende ihres Gedichtes hatte Margarete Kaiser die Zeilen gesetzt: „Man kann dann hier sehr günstig wohnen, die Frage ist: Wird sich das lohnen?”

Mit verteilten Rollen

Die Kurzgeschichte „Frau Fröhlich” lasen Kurt Lehmkuhl und Heike Dahlmanns mit verteilten Rollen. Da der Text überwiegend in Dialogform geschrieben ist, bot sich der Vortrag im Duett geradezu an. Das Publikum war von dieser Präsentation sehr angetan. „Frau Fröhlich” schlug sozusagen mit einem langen Messer, das sie ihrem schnarchenden Gatten in die Kehle rammte, die Brücke zu den so erfolgreichen Selfkantkrimis. Neben der humorigen Aufarbeitung von Dobrindts Maut im Gedicht „Das Ei des Rindtes“ steuerte Heike Dahlmanns auch das „Kunterbunte ABC des Kreises Heinsberg“ zu einem gelungenen Leseabend bei.

Dahlmanns las den Eintrag zum Buchstaben C: „C wie Christlich Demokratische Union –CDU: Rechts von der Kanzlerlinie seit gefühlten 100 Jahren auf Kreisebene regierende Mehrheitspartei; wird zurzeit ganz schön gepuscht, manchmal jedoch durch die Stimmen der NPD und der AfD (insgesamt drei) massiv unter Druck gesetzt. Der Fraktionsvorsitzende hält als studierter Theologe das C kirchturmhoch.“

AN vom 28. Febr. 2018

Auf der „Hauptstraße“ wird es ruhiger: L47 soll Gemeindestraße werden

GANGELT. Es könnte zukünftig etwas ruhiger zugehen auf der Gangelter „Hauptstraße“. Da der Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde Gangelt bei einer Enthaltung beschloss, die durch den Ort verlaufende L47 (ehemals B56) zur Gemeindestraße herabzustufen, muss im Gegenzug allerdings der Verlauf der Landstraße 47 verlegt werden.
 

Die L 47 wird laut Planung dann „untenrum“, also südlich der Ortslage, über Martin-May-Straße, Franz-Savels-Straße und Luisenring bis zum Kreisverkehr an der Frankenstraße in Höhe der Gesamtschule führen. Die Verwaltung und der Bauausschuss gehen davon aus, dass, wenn ab etwa 2021 die Umgestaltung der „Hauptstraße“ in die Tat umgesetzt wird, die nördliche Ortsumgehung Gangelts, also „obenrum“ fertiggestellt sein wird, so dass sich die Verkehrsströme dorthin verlagern werden.

Wohnumfeldverbesserung

Wie die Verwaltung den Bauausschussmitgliedern darlegte, solle im Rahmen des Förderprojekts „Interkommunales Entwicklungskonzept Westzipfelregion“ unter anderem im Rahmen der Ortskernsanierung und Wohnumfeldverbesserung die Umgestaltung der Sittarder Straße/Frankenstraße vorgenommen werden. Hierzu bedürfe es jedoch einer Abstufung des betreffenden Abschnitts zur Gemeindestraße.

Erste Gespräche hätten bereits mit dem Kreis Heinsberg und dem Landesbetrieb Straßenbau stattgefunden. Als ein Ergebnis der Gespräche hatte sich ergeben, dass der Straßenverlauf von der Nahversorgung bis zum Kreisverkehr Mindergangelt (K5) über die Franz-Savels-Straße und den Luisenring bis zum Kreisverkehr Mercatorschule (K17) zur Landesstraße aufgestuft werden muss. Diese Aufstufung werde aber voraussichtlich auf den dort fließenden Verkehr keine Auswirkungen haben, da der Ortskern wie bisher weiter durchfahren werden könne.

Umstufung zum 1. Januar

Das Verfahren solle laut Auskunft des Landesbetriebes so durchgeführt werden, dass die Strecken zum 1. Januar 2019 umgestuft werden. Die Abschnitte, in denen der Kreis Heinsberg betroffen sei, bedürften aber noch der Zustimmung im zuständigen Ausschuss. Ausschussmitglied Horst Frank (Grün-Liberale Fraktion) hatte nachgefragt, ob nicht doch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch die Aufstufung der südlichen Umgehung zur Landstraße zu befürchten sei. Karl-Heinz Milthaler, Fraktionssprecher der CDU, ging davon aus, dass wenn die nördliche Umgehung fertig sei, der Autofahrer „oben in einer geschmeidigen Geschwindigkeit um den Ort herum fahren werde.“

Eine einmalige Chance

Auch Bürgermeister Bernhard Tholen sprach sich für die angedachte Lösung aus und meinte, dass Gangelt sich diese einmalige Chance nicht entgehen lassen dürfe. Ein weiterer Tagesordnungspunkt der Bauausschusssitzung betraf einen Antrag des Initiativkreises „Stolpersteine helfen … auch in Gangelt“.

Der Initiativkreis hatte beantragt der Gasse zwischen Wallstraße und Sittarder Straße in Gangelt die Bezeichnung „Synagogengasse“ zu verleihen, als Hinweis auf die noch vorhandene Synagoge in der Heinsberger Straße. Der Antrag wurde von den Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses einstimmig angenommen.

AN vom 14. 02.2018

Wohnungsbau vor der Gangelter Stadtmauer: Denkmalschutz statt Residenz

GANGELT. Jetzt haben es die Gangelter Politiker schwarz auf weiß: das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland ist gegen den Bau einer Wohnresidenz auf der Wiese vor der Gangelter Stadtmauer.

Dr. Dorothee Heinzelmann ist wissenschaftliche Referentin der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) und hat auf Bitten der Gemeindeverwaltung Gangelt die Position der Denkmalpflege zum geplanten Bau einer Wohnresidenz vor der Stadtmauer ausführlich auf zwei Din-A4-Seiten dargelegt.

Wer zwei und zwei zusammenzählen kann, wird relativ schnell zu dem Ergebnis kommen, dass die Spitze der Gemeindeverwaltung, Bürgermeister Bernhard Tholen, nach dem Informationsabend, den die Bauherrengemeinschaft Christian und Matthias Conzen am 23. Januar im Haus Hamacher für die Ratsfraktionen abgehalten hatte, durchaus ein gesteigertes Interesse an dieser Stellungnahme hatte. Stand doch seine Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.

Fraktionen bereits informiert

Noch vor den tollen Tagen hatte das Schreiben Heinzelmanns die Verwaltung erreicht und war sodann von dieser ohne Vertraulichkeitsvermerk an die Fraktionen versandt worden. Bereits im Dezember 2017 war die Stellungnahme vom LVR der Anwaltskanzlei der Bauherren, der Kanzlei Lenz & Johlen in Köln, spezialisiert auf öffentliches Recht sowie Immobilienrecht, zugesandt worden. Wie zwischenzeitlich der Eindruck entstehen konnte, Dr. Dorothee Heinzelmann hätte ihre ablehnende Meinung zur Bebauung des Grundstücks vor der Stadtmauer, die sie schon im Mai 2017 deutlich dargestellt hatte, geändert, bleibt offen.

Qualität eines Denkmalbereiches

Dr. Dorothee Heinzelmann stellt in ihrer Stellungnahme zum Bau der geplanten Wohnresidenz dem Ortskern Gangelts ein Zeugnis aus, nach dem sich so manche Stadt die wohl sehnen würde:„Diese historische städtebauliche Struktur ist hier so gut erhalten, dass Gangelt ohne Zweifel die Qualität eines Denkmalbereiches aufweisen würde.“ Das wäre ein Entwicklungspotenzial von dem die Gemeinde zukünftig profitieren könnte.

Konkret zur Stadtmauer sagt Dr. Heinzelmann: „Die Stadtmauer ist ein Bau- und Bodendenkmal, weshalb Belange der Bau- und der Bodendenkmalpflege zu berücksichtigen sind.“ Während aus Sicht der Bodendenkmalpflege in erster Linie die Mauer und der vorgelagerte Grabenbereich im Fokus stünden, müsse die Baudenkmalpflege darüber hinaus jedoch andere Ziele verfolgen. Von Bedeutung sei einerseits die Erhaltung der Stadtmauer selbst. Entscheidend sei jedoch auch ihr Erscheinungsbild und die Ablesbarkeit ihrer ursprünglichen städtebaulichen Funktion. „In Gangelt ist in diesem Bereich östlich der Altstadt die historische Situation außergewöhnlich gut erhalten geblieben“, schreibt Heinzelmann.

Der die Stadt umgebende Mauerring sei mit der vorgelagerten Freifläche, die aus Sicherheitsgründen keine Bebauung aufweisen durfte, weithin sichtbar. Dahinter prägten einfache Gebäude wie Scheunen und Bürgerhäuser an der Heinsberger Straße die städtische Bebauung, aus der nur die Pfarrkirche und weiter südlich die Burg als signifikante Gebäude herausragten.

Die Silhouette sei charakteristisch für historische Ortschaften, „ist aber wohl an keinem anderen Ort im Kreis noch heute so authentisch erhalten wie hier in Gangelt.“ Dies präge den gesamten der Mauer vorgelagerten Bereich. Der zuletzt vorliegende Plan sehe, so Dr. Heinzelmann in ihrer Stellungnahme, eine nahezu vollständige Bebauung der Fläche zwischen Frankenstraße, Mercatorstraße und dem östlich verlaufenden asphaltierten Weg vor.

Historischer Zusammenhang

Die freigehaltene Fläche im südlichen Bereich würde zwar einen Teil des Stadtmauerabschnittes von der Frankenstraße aus sichtbar machen. Tatsächlich biete sich bis zur Ecke zwischen diesem Weg und der Mercatorstraße „eine außergewöhnliche Ansicht auf die Stadtmauer und den damit verbundenen historischen Ort.“ Von dieser Nordostecke aus sei der Blick auf die Stadtmauer mit Pfarrkirche und Burg von besonderer Bedeutung und „lässt wie sonst nirgends den historischen Zusammenhang zwischen Stadtmauer und Ortsbild erleben.“ Weiter heißt es: „Dieser Situation wurde bei dem 1992 aufgestellten Bebauungsplan Rechnung getragen, weshalb nur vier Baugrundstücke entlang der Mercatorstraße ausgewiesen wurden, während die gesamte übrige Fläche (...) bis zur Frankenstraße hin als Acker- und Wiesenfläche verbleiben und von jeglicher Bebauung freigehalten werden sollte.“

Stadtmauer soll sichtbar bleiben

Eine Bebauung nach dem zuletzt vorliegenden Plan würde diesen Blick von Osten und Nordosten vollständig verhindern. Sie kommt zu dem Schluss: „Die Einsehbarkeit der Stadtmauer würde hierdurch erheblich beeinträchtigt, weshalb das Vorhaben nicht im Sinne der Denkmalpflege sein kann.“

Falls die Besitzverhältnisse es zulassen sollten, so Heinzelmann, käme als Baufläche gegebenenfalls ein dreieckiges Feld weiter östlich in Frage, das so weit von der Stadtmauer entfernt liege, dass eine Beeinträchtigung nicht zu erwarten wäre.

Ob der Vorschlag der Denkmalpflegerin bei den Bauherren auf offene Ohren treffen wird, bleibt abzuwarten. Bürgermeister Bernhard Tholen hatte bereits erklärt, dass für ihn die Meinung der Fachbehörde richtungsweisend sei. In Bezug auf die Wohnresidenz an der Burg Gangelt öffentliches und persönliches Interesse gegeneinander abzuwägen, wird sicherlich keine leichte Aufgabe für die Gangelter Politiker werden.

Zusätzliche Informationen