Zeitenwende? Die internationale Raumfahrt zwischen Mondlandung und Mars-Ambitionen

"Politisches Frühstück" am 13. Juni in Gangelt

Dr. Cornelius Schalinski schlug einen spannenden Bogen von der ersten Mondlandung bis hin zu den Ambitionen von Elon Musk und China, auf dem Mars landen zu wollen.

©Foto: Dr. Cornelius Schalinski©Foto: Dr. Cornelius Schalinski

In erster Linie sollte die erste Mondlandung der Apollo 11 am 20. Juli 1969, die 600 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer vor dem Fernsehbildschirm verfolgten, der Wissenschaft und Forschung dienen. An zweiter Stelle stand jedoch in der Zeit des kalten Krieges der internationale Wettbewerb mit der Sowjetunion; so konnten die US-Amerikaner das Prestige, als erste den Mond betreten zu haben, für sich verbuchen. Der Wettstreit zwischen den beiden Machtblöcken entwickelte sich nach und nach zur dauerhaften Präsens im Erdorbit in internationaler Zusammenarbeit. Die Raumstation ISS besteht seit dem Jahr 1998 und die Zusammenarbeit funktioniert. In den 2020er Jahren erfolgten die Artemis Missionen und für 2030 ist eine Mars Mission angepeilt.

Das Ergebnis dieser Entwicklung vom Sputnik über Gagarin bis heute spüren wir inzwischen jeden Tag. Raumfahrt ist mittlerweile zur (kritischen) Infrastruktur geworden. Kommunikation, Wettervorhersage, Umweltbeobachtung, Navigation, Finanzsysteme, Katastrophenschutz und militärische Nutzung sind ohne Satelliten gar nicht denkbar. Große Raumfahrt- und Satellitenprojekte, so Dr. Schalinski, sind Teamleistungen auf internationaler Ebene. So hat zum Beispiel auch die ESA ihren Beitrag geleistet zum James Webb Teleskop der NASA.

Die ständig fortschreitende Digitalisierung schafft neue Chancen, aber auch neue Risiken. Inzwischen gehören Satelliten zur kritischen Infrastruktur. Der Nutzen dieser Technik schafft jedoch Abhängigkeit, die zu Risiken führt. Im Laufe der Zeit ist China anstelle von Russland in den Wettbewerb in der Raumfahrt eingetreten. Die chinesische Raumstation Tiangong wurde im Jahr 2021 in Betrieb genommen. Außerdem gelang es China als erster Nation in einer unbemannten Mission auf der erdabgewandten Seite des Mondes zu landen.

Neben den zahlreichen Risiken gibt es auch Positives zu vermelden. Vor 66 Millionen Jahren traf ein 10 km großer Asteroid auf die Erde (UN Gedenktag am 30. Juni), wodurch die Dinosaurier und 75 % aller Arten ausstarben. 1908 und 1913 schlugen zwei weitere, wesentlich kleinere Asteroiden/Meteoriten auf der Erde auf, verletzten Menschen und zerstörten die Landschaft. Durch den Planetenschutz (Planetary Defense) der HERA-Mission und ESA (2024) sind solche Ereignisse nicht nur vorhersehbar, sondern möglicherweise auch abwendbar.

Jede Generation entwirft ihre Zukunft neu und ihre Visionen beeinflussen die Technologie. Dies wird auch in der Filmindustrie sichtbar: Raumpatroille, Frau im Mond, Raumschiff Enterprise, Star Treck, Star Wars sind Zeichen dieser Visionen.

Das Wichtigste an der ganzen Raumfahrt, so Schalinski, ist die Frage, wie wir die Zukunft hier auf unserer Erde gestalten können. Die Raumfahrt hat vor allem gezeigt, wie einzigartig unsre Erde ist. Es gilt, sie zu schützen und zu erhalten.